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Entscheidung

Opportunitätskosten beim Immobilienkauf

Opportunitätskosten zeigen, was gebundenes Eigenkapital alternativ hätte erwirtschaften können. Beim Immobilienkauf ist das wichtig, weil Eigenkapital und Kaufnebenkosten nicht parallel frei investiert werden können.

Kurze Antwort

Wer eine Immobilie kauft, vergleicht nicht nur Miete mit Kredit. Eigenkapital, das in Kaufpreis, Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch oder Makler fließt, kann nicht gleichzeitig in ETFs, Tagesgeld oder ein anderes Portfolio investiert werden.

Beispiel

202.000 € alternativ mit 5 % Rendite pro Jahr angelegt wären nach 20 Jahren rund 535.966 €. Diese Vergleichsgröße macht Kapitalbindung sichtbar.

Die Formel für Opportunitätskosten

Die Grundformel ist: Opportunitätskosten sind der Wert der besten realistischen Alternative, auf die du verzichtest. Beim Immobilienkauf ist das vor allem die Rendite des Kapitals, das in Eigenkapital, Kaufnebenkosten und laufende Mehrkosten fließt.

Grundformel

Alternativwert = gebundenes Kapital mal (1 + Alternativrendite) hoch Haltedauer. Gebundenes Kapital = Eigenkapital plus Kaufnebenkosten plus laufende Mehrbeträge, die nicht frei investiert werden können.

Welche Beträge Opportunitätskosten verursachen

  • Eigenkapital, das direkt in den Kaufpreis fließt.
  • Kaufnebenkosten, die nicht den Immobilienwert erhöhen.
  • Sondertilgungen, wenn sie statt einer alternativen Anlage genutzt werden.
  • Laufende Mehrkosten des Eigentums gegenüber Mieten.

Bei 150.000 € Eigenkapital und 52.000 €Kaufnebenkosten sind bereits 202.000 € gebunden. Dieses Kapital reduziert zwar den Kreditbedarf, steht aber nicht mehr für eine alternative Anlage zur Verfügung.

Beispiel: 3 %, 5 % oder 7 % Alternativrendite

Die Alternativrendite sollte zur eigenen Risikobereitschaft passen. Je höher sie angesetzt wird, desto stärker muss der Immobilienkauf finanziell aufholen.

AnnahmeEndwert nach 20 JahrenInterpretation
3 % p.a.364.834 €vorsichtige Anlage- oder Sicherheitsannahme
5 % p.a.535.966 €langfristige, breit gestreute Portfolioannahme
7 % p.a.781.676 €optimistischere Kapitalmarktannahme mit höherem Risiko

Auch monatliche Unterschiede zählen

Opportunitätskosten entstehen auch laufend. Wenn das Eigentum monatlich teurer ist als Mieten, könnte diese Differenz im Miet-Szenario investiert werden. Wenn Kaufen laufend günstiger ist, kann das Kauf-Szenario diesen Nachteil abbauen.

Beispiel: 350 € monatliche Differenz zugunsten des Miet-Szenarios ergeben bei 5 % Rendite über 20 Jahre grob 138.877 € zusätzlichen Endwert.

Warum das in Deutschland besonders wichtig ist

Je nach Bundesland können die Kaufnebenkosten in Deutschland sehr unterschiedlich ausfallen. Hohe Nebenkosten erhöhen nicht nur den Startaufwand, sondern auch das Kapital, das im Miet-Szenario alternativ investiert werden könnte.

Was die Zahl nicht bedeutet

Opportunitätskosten sind keine sichere Renditeprognose. Sie sind eine Vergleichsannahme. Wer sehr risikoarm anlegen würde, sollte niedriger rechnen. Wer langfristig breit investiert, kann höhere Annahmen prüfen. Entscheidend ist, die gleiche Annahme konsistent über den gesamten Vergleich zu verwenden.

Ein Rechner ist dafür nützlich, weil Anfangskapital, monatliche Differenzen, Restschuld, Mietentwicklung und Verkaufsszenario über viele Jahre fortgeschrieben werden müssen. Die Grundlogik bleibt aber: Kapitalbindung hat einen Preis.

Weiterdenken

Häufige Fragen

Sind Opportunitätskosten echte Kosten?

Sie sind keine Rechnung, die bezahlt wird. Sie zeigen den entgangenen Nutzen einer Alternative und sind deshalb für Entscheidungen relevant.

Welche Rendite sollte man ansetzen?

Das hängt von Risikoprofil und Anlagehorizont ab. Wichtig ist, nicht automatisch 0 % anzunehmen, wenn Eigenkapital langfristig gebunden wird.

Macht Tilgung Opportunitätskosten überflüssig?

Nein. Tilgung baut Vermögen in der Immobilie auf, bindet aber ebenfalls Kapital, das nicht alternativ investiert wird.

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